zum Hauptinhalt springen zur Navigation springen zum Fußbereich springen
Stadt Sinzig Kirchplatz mit Rathaus und Kirche St. Peter Reiner Friedsam

Sinziger Kirmes hat lange Geschichte

Seit 1241 wird in Sinzig anlässlich der Kirchweih von St. Peter alljährlich groß gefeiert

Am 15. August 1241 zu Maria Himmelfahrt fand die Kirchweih der St.-Peter- Kirche statt und wurde durch den lettischen Bischof Heinrich von Oesel vorgenommen. Der Dominikaner fungierte als Stellvertreter des Trierer Bischofs und ließ dem Bau eine besondere Ehre zuteil werden. Hinter dem mittleren Rechteck im Altartisch der Kirche gab er eine Blechbüchse mit der Kirchweih-Urkunde und Reliquien des Heiligen Pankratius, des heiligen Bonifazius und des heiligen Bartholomäus hinein.

Seit 1241 wird in Sinzig Kirmes gefeiert. Die sah allerdings damals ganz anders aus, denn es handelte sich um einen Verkaufsmarkt, bei dem die Bauern ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Butter, Eier und Speck verkauften. Und das war auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts so üblich. Lange Zeit standen die Kirchweihmarktbesucher sogar unter kaiserlichem Schutz. Der damalige Kaiser ließ einen Schutzbrief ausstellen, der an die Gemeinden verteilt und vervielfältigt wurde. Darin bittet er, die Kirmesbesucher vor jeglichem Unrecht, vor Gewalt und Bedrängnis zu bewahren. Mit den Jahrhunderten wandelte der Trubel sein Gesicht. Der Verkaufsmarkt fiel schließlich ganz weg. Im Fokus stand vor allem die Volks- und Kinderbelustigung.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Kettenkarussells und Schiffsschaukeln nach Sinzig. Betrieben wurden sie von einigen Jungen der Stadt, die sich etwas Geld verdienen wollten. Über dem Kettenkarussell war ein Gestell, auf dem sie rundliefen und das Gefährt so in Bewegung versetzten.

Kirmes in der Barbarossastadt bedeutete anno dazumal feiern, was das Zeug hält. Sinzig hatte vor dem Ersten Weltkrieg sechs Säle, in denen die Menschen sich zur Kirmes einfanden: den Saal des Hotels Kaiserhof am heutigen Kreisel in der Barbarossastraße, den Saal des Winzervereins in der Barbarossastraße, den des Rheinischen Hofes (ehemals Schlossapotheke) in der Mühlenbachstraße, den Lenz-Saal und das Jägerheim, beide in der Ausdorfer Straße, und den, bis in die heutige Zeit als einziger verbliebenen, Helenensaal.

Ganz wichtig war für den Kirmesbetrieb auch das Feuerwerk. In den 60er-Jahren ließ sich Otto Marhöfer als Vertreter des Sinziger Ordnungsamtes dieses belebende Element für mehr Besucherzuspruch für den Kirmesdienstag einfallen, da die Gästezahlen am letzten Tag schwächelten. Er veranstaltete eine Sammlung unter den Schaustellerleuten, die diese Notwendigkeit mit Spendenfreude quittierten. Diese freiwillige Abgabe entrichten sie bis heute. Und so zieht die Sinziger Kirmes am Dienstagabend zum Abschluss viele Besucher auch aus der Region zum krönenden Abschluss in die Stadt.