Aus einem Mahnmal wird ein Friedensmal
Ein Ort der Erinnerung und der Hoffnung für Sinzig
Manche Orte erzählen Geschichten. Geschichten von Leid, Verlust und Unrecht. Aber auch Geschichten von Verantwortung, Menschlichkeit und Hoffnung.
Mit der jetzt erfolgten Umgestaltung des bisherigen Jüdischen Mahnmals in der Rheinstraße ist in Sinzig ein würdiges Friedensmal entstanden. Ein Ort, der die Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung bewahrt und zugleich eine klare Botschaft für Gegenwart und Zukunft sendet: Nie wieder Hass, Ausgrenzung und Menschenverachtung.
Den Anstoß für dieses Projekt gab die Projektgruppe Erinnerungskultur des Bürgerforums Sinzig. Beim ersten „Stolpergang“ im Jahr 2018, der anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht stattfand, zogen rund 150 Menschen schweigend durch unsere Stadt. Gemeinsam gedachten sie der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten dabei die Erfahrung, dass das damalige Mahnmal zwar vorhanden war, aber zu wenig wahrgenommen wurde.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie groß in unserer Stadt das Bedürfnis ist, die Erinnerung wachzuhalten und ein Zeichen für Respekt, Toleranz und Menschlichkeit zu setzen.
Aus dieser Idee entwickelte sich ein Gestaltungskonzept des Sinziger Künstlers Titus Reinarz, der bereits vor Jahren die bestehende Gedenkstele geschaffen hatte. Die politischen Gremien unterstützten das Vorhaben bereits 2019 und stellten die erforderlichen Haushaltsmittel bereit. Doch die Corona-Pandemie und später die Flutkatastrophe im Jahr 2021 verschoben die Umsetzung immer wieder.
Umso mehr freue ich mich, dass das Projekt nun Wirklichkeit geworden ist.
Durch die neue Gestaltung öffnet sich das Mahnmal sichtbar zur Stadt hin. Die eindrucksvollen Stahlelemente mit dem Wort „Frieden“ und dem hebräischen „Schalom“ verleihen dem Ort eine neue Präsenz und laden zum Innehalten ein. Das Mahnmal erinnert weiterhin an die Schicksale der jüdischen Familien unserer Stadt. Gleichzeitig steht es heute stellvertretend für alle Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Menschenfeindlichkeit.
Gerade in einer Zeit, in der weltweit Kriege geführt werden, Antisemitismus wieder offen sichtbar wird und Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Überzeugung ausgegrenzt werden, ist ein solcher Ort wichtiger denn je.
Als Ortsvorsteher bin ich den Bürgerinnen und Bürgern dankbar, die dieses Projekt angestoßen und über viele Jahre begleitet haben. Das neue Friedensmal ist mehr als ein Erinnerungsort. Es ist ein sichtbares Bekenntnis unserer Stadt zu Frieden, Demokratie, Freiheit und Menschlichkeit.
Ich wünsche mir, dass viele Menschen diesen Ort besuchen, dort verweilen und sich bewusst machen, dass Frieden niemals selbstverständlich ist. Er beginnt mit Erinnerung, mit Respekt und mit dem Mut, für unsere Werte einzustehen.
Das Friedensmahnmal erinnert uns daran: Aus der Vergangenheit erwächst Verantwortung für die Zukunft.
Das Friedensmahnmal erinnert uns daran: Aus der Vergangenheit erwächst Verantwortung für die Zukunft.
